Bewerbungsrede auf der Wahlkreisversammlung

Bei der nächsten Bundestagwahl geht es ums Ganze. Es gilt, unsere Demokratie und den gesellschaftlichen Zusammenhalt gegen Angriffe von rechts zu verteidigen. Und es geht darum endlich mit voller Kraft in das klimaneutrale Zeitalter zu starten. Das bedeutet, dass wir alle Politikbereiche an den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens ausrichten müssen.

Auf der BDK am Wochenende haben wir Grüne uns nachdrücklich zum 1,5 Grad-Ziel bekannt.  Im Klimaschutzabkommen haben sich die Staaten verpflichtet, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen – und zusätzliche Anstrengungen zu unternehmen, damit bei 1,5 Grad Schluss ist.

JEDES ZEHNTELGRAD ZÄHLT!

Schon jetzt können wir sehen, wie krass ein nur leicht verändertes Klima die Welt durcheinanderbringt. In Deutschland haben wir schon das dritte Dürrejahr in Folge – mit drastischen Folgen nicht nur für Wald und Landwirtschaft.

Ich kämpfe seit meiner Kindheit gegen Umweltzerstörung und Erderwärmung. In der Grundschule haben wir gegen Abgase protestiert und ein Greenteam gegründet. Mit 13 habe ich angefangen, mich bei den Jungen Grünen Kassel, der Grünen Jugend Hessen und den hessischen Grünen zu engagieren. Als bisher jüngste Bundestagsabgeordnete durfte ich sieben Jahre lang Hessen in Berlin vertreten und grüne Politik im Europa- und Haushaltsausschuss mitgestalten.

Im Bundestag habe ich schon 2007 einen Klimaschutzhaushalt vorgelegt. Kernpunkt:  Nicht in umweltschädliche Subventionen investieren, sondern in Klimaschutz. Mehr Geld für Erneuerbare Energien – weniger für Kohle und Kerosin! Hätte es dafür eine Mehrheit gegeben, hätten wir jedes Jahr mindestens 34 Million Tonnen CO2 eingespart.  Es ist ein Armutszeugnis für die Bundesregierung, dass sie das bis heute nicht umgesetzt hat! Denn jedes Zehntelgrad zählt.

Nach meiner Zeit im Bundestag, habe ich zwei Jahr im Sudan gelebt und dort an einer Frauenuniversität studiert und für die Vereinten Nationen gearbeitet. Der Sudan wurde nach einer Dürre dieses Jahr auch noch von den schlimmsten Überschwemmungen seit einem Jahrhundert heimgesucht. Diese Katastrophe kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Letztes Jahr haben die Sudanesinnen und Sudanesen es endlich geschafft, den Diktator Omar Al-Bashir loszuwerden. Eine fragile Übergangsregierung arbeitet seitdem an der demokratischen Transformation und hat ein Darfur-Friedensabkommen auf den Weg gebracht. Aber diese Projekte stehen auf der Kippe. Ohne positive wirtschaftliche und soziale Entwicklung wird die Transformation nicht gelingen. Viele andere Länder sind ebenfalls durch die Auswirkungen der steigenden Temperaturen gefährdet. Die Klimakrise bedroht unsere natürlichen Lebensgrundlagen, aber darüber hinaus auch Demokratie und Frieden! Deshalb brauchen wir eine klimaneutrale Politik – jetzt und nicht erst übermorgen. 

Sabine Hirler (Kreisvorsitzende Limburg-Weilburg), Anna Lührmann (Direktkandidatin Rheingau-Taunus-Limburg), Dieter Oelke (Kreisvorsitzender Limburg-Weilburg) und Gabriele Langkowski (Kreisvorsitzende Rheingau-Taunus) nach der Wahlkreisversammlung am 25.11.2020 in Taunusstein (v.l.n.r.)

Momentan bin ich die stellvertretende Leiterin eines Demokratieforschungsinstituts in Göteborg und unterrichte als Juniorprofessorin an der Universität. In meiner wissenschaftlichen Arbeit habe ich den globalen Rückgang von Demokratie untersucht: In Brasilien, Ungarn, den USA und vielen anderen Ländern sind demokratische Institutionen heute schwächer als noch vor zehn Jahren. Auch in Deutschland bedrohen Rassismus, Rechtsextremismus und Hass den demokratischen Zusammenhalt – wozu die AfD fähig ist, haben wir letzte Woche im Bundestag nochmal gesehen.

Mir reicht es nicht mehr, diese Probleme nur zu analysieren, sondern ich will mich im Deutschen Bundestag und mit euch für die Stärkung unserer Demokratie einbringen:

  • Wir brauchen dringend eine Demokratieoffensive für mehr demokratische Beteiligung und politische Bildung;
  • Wir brauchen eine wehrhafte Demokratie in der die Sicherheitsorgane die Bedrohung von Rechts ernst nehmen und effektiver bekämpfen.

Aber: Ohne gutes Klima ist alles nichts. Rechtspopulistischen Parteien bedrohen nicht nur unsere Demokratie, sie leugnen auch den menschengemachten Klimawandel. Als Wissenschaftler*innen können wir Probleme beschreiben, mahnen und Handlungsszenarien entwerfen. Aber handeln muss die Politik. Und darum geht es mir jetzt. Was zu tun ist, ist doch längst bekannt. Wir Grüne haben jetzt die historische Chance, eine gesellschaftliche Mehrheit für eine klimaneutrale Politik zu gewinnen. Je mehr Stimmen wir bekommen, umso mehr Klimaschutz können wir durchsetzen.

Dafür kommt es auf jedes Zehntelprozent mehr für Grüne an! Deshalb will ich gemeinsam mit Euch im Rheingau-Taunus-Kreis, in Limburg und Umgebung für ein starkes grünes Ergebnis kämpfen!

Gemeinsam können wir es schaffen, unser Ergebnis vom letzten Mal mindestens zu verdoppeln!

Gemeinsam können wir ein Signal in die ganze Welt senden: Eine starke, klimaneutrale Wirtschaft ist möglich und das Leben mit weniger Abgasen wird besser! 

Und eine Idee für den Wahlkampf habe ich auch schon. Darf ich mal fragen, wer von Euch wandert gerne? Und wer geht zumindest gerne mal auf einen Spaziergang?

Liebe Freudinnen und Freunde, für mich ist es ein großes Privileg und etwas Besonderes, dass ich hier heute vor Euch stehen darf. Es fühlt sich an wie nach Hause kommen nach einer langen Reise. Denn Hessen und die grüne Partei das ist meine Heimat.

Wir teilen grüne Werte – wie wir sie am Wochenende im Grundsatzprogramm noch mal aufgeschrieben haben – Ökologie, Gerechtigkeit, Selbstbestimmung, Demokratie und Frieden. Wir kämpfen für die gleichen Ziele: 

  • Eine lebendige und wehrhafte Demokratie in der niemand auf Grund seines Geschlechts, seiner Hautfarbe oder Herkunft diskriminiert wird und alle mitmachen können.
  • Eine klimaneutrale Politik, die den Planeten für künftige Generationen bewahrt und dafür sorgt, dass alle etwas vom Wohlstand abbekommen. Jedes Zehntelgrad zählt und darum auch jedes Zehntel-Prozent für Grüne!

Dafür will ich meine ganze Kraft, meine politische, wissenschaftliche und internationale Erfahrung einsetzen und deswegen bitte ich um eure Stimme als Kandidatin für den Bundestag!

Vielen Dank. 

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